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Das Gespräch in Marions Kindergarten

Ich rufe also Marion an, um mit ihr ein Termin zu vereinbaren.

Mit dem Bus 82 kann man bis nach Güzelbahçe raus fahren.
Es ist eine lange ermüdende Strecke, im ungemütlichen, stinkenden Bus.
Schön ist es dann, wenn man endlich aus Izmir raus ist: Der Bus fährt dann irgendwann am Meer entlang, eine tolle Aussicht, die einen die unbequemen Umstände ein wenig vergessen lassen.

Von der Busstation Yaka Mahallesi ist es dann nur noch ein kurzer Fußweg. Ich laufe durch ein Tor hindurch und bin auf einem wunderschönen, großen, grünen Grundstück: mit Olivenbäumen so weit das Auge reicht, einem schönen Haus und einem riesigen Spielplatz.
Ich setze mich mit Marion auf die Terrasse und wir trinken gemütlich Kaffee und unterhalten uns. Ich fühle mich sehr wohl, Marion ist eine sehr symphatische, aufgeschlossene Frau.
Sie kommt ursprünglich aus Deutschland und hat nun hier mit ihrem türkischen Mann, seit dem Spätsommer 2007, diesen bilingualen Kindergarten eröffnet.

Sie erzählt mir im laufe des Gespräches von der Deutschen Schule Izmir, die nicht weit von dem Kindergarten liegt und dass dort zur Zeit dringend Hilfe benötigt würde – ob ich mir das auch vorstellen könne. Marion selbst (Diplom Pädagogin) war zu diesem Zeitpunkt auch noch an der Schule tätig, da einer ihrer Söhne dort zur Schule ging.

Klar, die schau ich mir auch noch an!
Marion griff zum Hörer, kündigte mich an und so kam es, dass ich am gleichen Tag noch ein Gespräch an der Deutschen Schule Izmir bekam.

Vorbereitung Vorstellungsgespräch in Izmir

Genug eingelebt.
Es wird Zeit für das erste Vorstellungsgespräch.

Mittlerweile hat sich auch ein netter E-Mail Kontakt zu der Takev-Schule aufgebaut und da diese Schule von uns aus am nächsten ist – Marions Kindergarten und die Deutschen Schule Izmir liegen nämlich weiter draußen in Güzelbahçe – entscheide ich mich, hier mein erstes Vorstellungsgespräch zu vereinbaren.

Gesagt getan.
Doch an eine Sache hatte ich nicht gedacht beim Packen: ordentliche Kleidung für ein Vorstellungsgespräch!
Ich hatte weder Bluse, noch „feine“ Hose , nein, nicht mal Tussi-Schuhe in meinem Gepäck!

Mist. Also ab ins Shopping-Center!

Der Tussi-Look ist hier besonders wichtig, wozu auch fett Schminken, Nagellack und möglichst ein Frisör-Termin vor dem Gespräch gehört – wie ich aus Unterhaltungen mit unseren Bekannten erfahren habe.
Für türkische Frauen und auch Männer, ist die Tussi das Zeichen für die moderne Frau und die einzige Möglichkeit sich von der unteren Schicht abzuheben. Das finde ich sehr Schade, aber es braucht wahrscheinlich einfach noch Zeit, bis die Frauen hier sich auch anders als mit Chici Mici Äußerlichkeiten behaupten zu können.
Das wiederum verstanden unsere Bekannten während unserer Diskussion nicht so ganz und bevor es zu Missverständnissen kommt, wechselt man dann halt besser das Thema. Fußball! Kommt hier immer an!

Ja, nun bei näherem Betrachten, der Menschen auf den Straßen hier in unserer Gegend – und dem neuen Hintergrundwissen -wird es mir auch deutlich:
Entweder „Bauer“ oder „Tussi“, etwas dazwischen sucht man wie die Nadel im Heuhaufen.