Yala Nationalpark – Einzigartige Eindrücke (Teil 4)

Immer tiefer dringen wir in den Park ein und kommen an einer Küste an. Wir dürfen den Jeep verlassen und uns die Beine vertreten. Hier steht u.a. das Fundament eines Hauses und die Mittelstütze steht auch noch dort. Eine Gedenktafel dokumentiert, dass dieses ein Tempel war und vom Tsunami in 2004 weggespült wurde. Es scheint, dass dieses Haus das symbolisch Erste auf Sri Lanka war, welches vom Tsunami weggespült wurde. Jedoch blieb das Fundament an Ort und Stelle und die Hauptstütze dieses Tempels hielt den Flutwellen stand.

Die Wellen brechen kurz vor dem Strand und diese Idylle möchte man nicht verlassen. Dieser Ort ist eine Blaupause, den sich jeder Zivilisationsaussteiger als idealen Ort vorstellen könnte. Es ist schön, diesen Fleck Erde zu kennen. Ich knie mich zum Boden und nehme den Sand in die Hand. Julia zieht sich die Sandalen aus und läuft über den Sand. Ich fasse die Pflanzen an und Julia riecht an einer aufgeblühten Blume. Alles Sachen, die wir überall anders auch machen. Die Materie ist die Gleiche. Aber die Zusammenstellung an diesem Ort ist magisch. Die Magie wird aber sehr schnell gebrochen. Unsere Damen von der Ladefläche, die Abba-Warrjum-Tante, fängt an laut zu lachen und posiert vor dem Jeep so, als wäre sie beim Foto-Termin bei Germanys Next Top Model. Mit dem Unterschied, dass die Schabrake gefühlte hundertfünfunddreißig ist. Ich frage mich manchmal, ob Menschen es nicht kapieren, weshalb man eine Reise um die halbe Welt macht. Anstatt diesen Ort auf sich wirken zu lassen, lässt sich die Trulla vor einem abgehalfterten Schrott-Tata-Pickup fotografieren. Nichts, gar nichts nimmt sie von diesem Ort mit. Rein in den Bus, raus aus dem Bus. Rein ins Hotel, raus an den Pool. „Diese Russenposen“, höre ich neben mir. Ich drehe mich nach rechts und da steht der alte Mann von der Landefläche. Ich frage ihn, was er damit meint und von ihm kommt: „Na Russenposen. Überall die gleichen Posen. Wann und wo ich unterwegs war, sehe ich russische Frauen in dieser Pose. Arme ausgebreitet, Brust raus und breites Grinsen. Die denken, sie seien die Diven der Welt. Die Alben müssen voll von diesen Posen sein. Ich verstehe das nicht. Aber muss ich auch nicht.“

Ich bewerte diesen Kommentar nicht. Aber ich kann aus meiner Reiseerfahrung nur sagen, dass ich solche Russen und andere Russen erlebt habe. Je mehr es in den pauschalen Bereich geht und je mehr All-Inklusive im Programm ist, gibt es viele dieser Russenposen. Aber auch Deutscheposen, Britenposen und Türkenposen. Je pauschaler die Reise, umso mehr Posen würde ich eher sagen… und der Alte scheint nur pauschal zu verreisen.

Langsam wechselt der Himmel von strahlend blau in Abendröte. Der Ranger ruft uns zurück zum Jeep und wir springen auf die Ladefläche. Nur die Schabrake nicht. Sie möchte noch ein Foto mit unserem Fahrer. Sie schmeißt sich an ihn, wie eine Fruchtfliege an altes Obst. Als sie fertig sind, darf sie im klimatisierten Fahrerhaus sitzen. So geht das…

Als wir zurück fahren, sehe ich erst, wie viele Pickups unterwegs sind. Es werden jede Minute mehr und mehr. Ehe ich mich versehe, sind wir in einem Highway voller Jeeps. Alle wollen raus und nur langsam geht es voran. In den Dieselabgasen kommt es mir vor, als sei ich mitten im 2-Takt-Tuk-Tuk-Verkehr von Bangkok. Die Lautstärke kann da durchaus mithalten. Hinzu kommen die aggressiven Mücken. Sie scheinen nur darauf gewartet zu haben uns auszusaugen und greifen in Formation an. Zehn an die Beine, zehn an die Arme und zehn an Gesicht, Nacken und Hals. Unser Mückenschutz muss ständig erneuert werden und ich komme mir vor wie in einem schlechten amerikanischen Film. Die kettenrauchende Sex-Touristin sagt dann noch unter Einbeziehung ihres singalesischen Giggolos: „Mein Freund hat eine Salbe, mit der er mich einreibt. Sie ist gut und schützt vor Mücken.“

Gerade das hatte mir noch gefehlt. Wenn ich eines nicht ausstehen kann, sind das solche Menschen wie diese Frau. Hässlich wie ein grau-nasser Februartag und in der Tasche einige Euros, die wo anders sehr viel mehr wert sind und dieses Gefälle grausam ausnutzen, um Menschen auszubeuten. „Das gefällt ihm bestimmt auch und er wird Sie vermissen, wenn Sie nach zwei Wochen weg sind.“, sage ich ihr und damit ist das Gespräch auch beendet.

Wir kommen wieder in dem Hotel an, wo auch der Bus auf uns wartet. Wir gehen aufs WC und ich spüle mich gründlich ab. Schweiß, Sonnenschutz und Staub haben sich zu einer dicken, klebrigen Masse auf meiner Haut vereint. Ich wasche den Park von Gesicht, Hals, Nacken und Armen und Händen mit kaltem Wasser weg und schon geht es mir wieder besser. In den Bus steigen wir in der Dunkelheit ein und fahren in die Nacht. Ich nicke ein und beim ersten Hotel werde ich wieder wach. Die AI-Truppe steigt aus und wir kommen als letzte in unsere abgelegene Anlage im Dschungel an. Es ist sehr spät und die Abendbeleuchtung im Garten ist an. Keiner der Gäste ist zu sehen. In unserer Küche brennt das Licht. Als wir näher ran gehen, steht da einer der Kellner und bittet uns rein. In der Küche steht einer der Köche und bereitet uns das Abendessen vor. Es ist wie in einem Traum. Oder doch wie in einem amerikanischen Film?

Guten Appetit und gute Nacht!

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