Die Tuk-Tuk-Mafia auf Sri Lanka

Unsere Villa liegt mitten im tropischen Dschungel. Beim Frühstück im Garten springen über unseren Köpfen Affen von Palme zu Palme und wunderschöne bunte Vögel kommen vorbei geflogen. Zu Fuß kommt man in gut 15 Minuten zum Stand. Der Pförtner kann aber auch für die Lauffaulen ein Tuk-Tuk bestellen, denn die Fahrt zum Stand ist hier im Preis enthalten.

Die Tuk-Tuk-Fahrer sind ganz heiß drauf, die ganze Palette an touristischen Dienstleistungen anzubieten und machen den Reiseleitern mächtig konkurrenz: Sie bieten die gleichen Touren zum günstigeren Preis an. Und lassen auch nicht locker. Die Tuk-Tuk-Fahrer, die für den Strandtransfer zuständig sind, haben sich offenbar zu einem Tuk-Tuk-Clan zusammen getan. Da es immer die gleichen Fahrer sind und sie ein “Nein“ nicht für voll nehmen, wurde die Strandfahrt nach kurzer Zeit anstrengend:
Tour zum Nationalpark? Nein.
Tour nach Galle? Nein.
Juwelen kaufen? Nein.
Masken kaufen? Nein!
Tour zum Koggalla See? Nein!
Tour de France? Non! Wolle Rose kaufen? …
Das Angebot der Tuk-Tuk-Fahrer scheint unerschöpflich zu sein.

Wir merkten schnell, dass dies, wenn es so weiter geht, sehr anstrengend werden könnte, also haben wir uns für die Zeit hier auf Sri Lanka die Aufgabe gestellt: uns in Gelassenheit zu üben.

So freuen wir uns von nun an auf weitere Tuk-Tuk-Fahrten mit immer wieder den gleichen Tour-Angeboten..

Bei einer Fahrt zum Strand wird unser Fahrer am Straßenrand von unserer herzallerliebsten Nervbacke „Nalin“ zum Anhalten gezwungen. Er labert uns erst Mal voll mit seinem gesamten Angebot, das wir nun mittlerweile schon answendig kennen und er lässt uns zunächst nicht weiter fahren. Nach erneutem “Nein“, sind ihn erst Mal für diesen Tag los.

Mit was wir jedoch nicht gerechnet haben, ist der lange Arm des Nalin. Am Abend spricht uns der Angestellte Jemal an, ob wir uns für eine der Nalin-Touren entschieden haben. Wir sagen nein, aber er will trotzdem versuchen uns bei Nalin einen besseren Preis zu machen.

 

Am nächsten Tag wollen wir Obst und Gemüse kaufen. Wir schnappen uns ein Tuk-Tuk und fahren durch den Urwald an Frauen in Saris mit Regenschirmen und Kindern in weißer Schulkleidung vorbei. Plötzlich bleibt der Tuk-Tuk apruppt stehen. Wir schauen uns verwundert um als plötzlich ein grinsendes Gesicht an der Seite auftaucht: Nalin. Der Typ ist überall. Leider hat er nichts neues, bietet uns jedoch wieder seine Touren an. Nach erneutem Dauer-Nein-Gegenfeuer, lädt er uns zum Tee in sein Haus ein. Wir: Nein Danke. Nalin allmächtig: OK, Morgen?
Er kann es einfach nicht lassen.

An der küstennahen Straße von Habraduwa gibt es einen weiteren Tuk-Tuk-Clan. Deren Anführer nennt sich Jimmy und man kann ihn auch im Internet finden, erzählt er. Er bietet uns auch die gleichen Touren an und fragt uns im selben Atemzug, ob wir Nalin und seine Gang kennen und sagt, dass wir ihm nicht trauen sollen. Eine Hand voll Fahrer stehen um uns herum und sie fragen ununterbrochen alles Mögliche.

Schließlich kommt unser bestelltes Tuk-Tuk vorbei und lädt uns ein und wir fahren los.
Nach 100 Metern: Stopp. Mittlerweile fragen wir uns nicht mal mehr nach dem Grund. Siehe da: Nalin allmächtig diesmal mit einem Deutsch sprechenden Kumpanen. Nalin scheint wohl ein Sicherheitsabstand von zum anderen Tuk-Tuk-Clan einzuhalten. Wieder werden wir bearbeitet, aber diese Gehirnwäsche kann uns nichts anhaben.

Wir fahren weiter und unser Fahrer Sunil entschuldigt sich für das aufdringliche Verhalten der anderen und dass wir natürlich keine Touren mit ihnen machen müssen, wenn wir nicht wollen… Ach, wirklich?

Am nächsten Tag treffen wir Sunil und sagen ihm, dass wir das Sri Lanka sehen wollen, was der Tourist auf eingetretenen Pfaden nicht angeboten bekommt: das echte Leben, keine Touri-Show, keine Touri-Attraktionen und keine Touri-Orte. Er war erstaunt und erfreut und so tuckerten wir los.

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