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Bom Dia Boa Vista

Sicherheitsschleusen, Passkontrolle  und Duty Free Shops lassen wir nach unserem Kaffee schnell hinter uns. Am Gate stellen wir fest, wie müde wir sind und wie sehr uns doch die letzten Vorbereitungen geschafft haben. Wir schließen die Augen und checken aus dem Umfeld aus. Nur noch einige wenige Minuten und wir haben dann einige Stunden Ruhe, bis wir auf Boa Vista landen.

Der Flug dauert ca. 7 Stunden und wir überspringen zwei Zeitzonen. 7 Stunden, um kurz einzuschlafen, etwas zu essen und zu trinken sowie sich weiter auf die Kap Verden einzustimmen. Die Umgebung kurz mit verschlossenen Augen zu verlassen war eine sehr gute Idee, bis sich plötzlich Laberlocke laut ankündigt. Natürlich setzt sich die Nervensäge genau neben uns. Der Warteraum ist ja nicht gross genug. Augen zu und fernbleiben hat jetzt einen ganz anderen Charakter. Aber gleichzeitig schießen andere Gedanken durch den Kopf: Was, wenn er doch den freien Platz neben uns hat? Die 7 Stunden erscheinen plötzlich sehr lang…

Beißer
Das Boarding geht los. Zuerst sind die hinteren Reihen dran. Wir sind in den vorderen Reihen. Wenn Laberlocke jetzt aufsteht, sind wir ihn los. Es kommt aber nicht so. Der Typ hat Sitzfleisch ohne Ende… Oder den Platz neben uns. Schließlich werden die vorderen Reihen aufgerufen, ins Flugzeug zu steigen. Wir stehen auf und laufen zum Einstieg nach vorne. Natürlich steht Laberlocke auch auf. Natürlich.

Aber das Blatt wendet sich zu unseren Gunsten. Ein Riese steht vor uns in der Reihe und Laberlocke quatscht ihn ganz vertraut an. Die beiden scheinen sich zu kennen. Der Hüne ähnelt einer uns sehr vertrauten aber in der Kindheit Angst einflößenden Gestalt: Beißer aus den James Bond Filmen.

„Hey, alles klar Mann? Alles klar? Wann seid ihr runter gefahren? Heute? Gestern? Wann?“
„Ja.“

Die kurze Antwort bestätigt zwei Dinge: Beißer kann Laberlocke auch nicht ausstehen und er weiß, dass Laberlocke eine Nervensäge ist. Dieser hört aber nicht auf:

„Hey… Ist ja echt ein Zufall. Plötzlich so viele Sylter hier. Ich war letztens in New York und da waren plötzlich 11 andere Sylter da. Sylter sind einfach überall.“
„Ich habe die letzte Nacht wenig geschlafen und schlafe jetzt im Flieger.“
„Ja…  Alles gut, alles gut, alles gut…“

Laberlocke hat die Sylter Quatschsoße erfunden und den Zufall auch. Beißer mit Freundin im Schlepptau läuft einfach davon in seinen Proletencowboystiefeln. Dankeschön. Egal. Es geht weiter. Beißer vor uns, Laberlocke hinter uns. So sind wir im Sandwich mit Sylter Soße das Filet…

Im Flugzeug laufen wir an Beißer vorbei, der kaum in den Sitz passt. Der arme Kerl braucht mindestens den dreifachen Sitzabstand. Groß zu sein, ist wirklich manchmal ein Fluch. Weiter hinten, sind unsere Sitzplätze. Reihe 11. Laberlocke hat sich noch nicht hingesetzt. Er kommt näher mit seinem Blick auf die Reihen… Setzt er sich neben uns? Oder läuft er weiter? Schließlich läuft er vorbei und verschwindet irgendwo zwischen Reihe 12 und 15. Endlich weg!

Der Platz neben uns ist frei geblieben, so dass ich mich auch hinlegen kann. Nur eine Sache stört: Irgend eine Sau furzt die ganze Zeit. Der Flug verläuft sonst sehr angenehm. Augen zu und schlafen.

Anflug auf Boa Vista und wir kleben an den Fenstern. Karge Landschaften, Wüste, kaputte Häuser. War das die richtige Entscheidung hierher zu kommen? Der Flieger setzt auf, wir schnappen unsere Sachen und raus. Vor uns Sonne, 25 Grad, ein klitze kleiner Open-Air-Flughafen… und Beißer.

Bom Dia Boa Vista!

Ab auf die Kap Verden

Um drei Uhr in der Nacht geht es los. Wir stehen früh auf und sind voller Erwartungen: Sonnenschein statt graues Einheitswetter, Sand unter den Füßen statt Matsch an den Schuhen, T-Shirts und Polohemden statt dicke Winterjacken und nicht zu Letzt einen Rucksack mit dem Nötigsten auf den Schultern statt Laptoptasche und Aktenordner.

Die Kap Verden versprechen uns nicht nur eine Flucht aus dem Alltag und rein in den Urlaub. Sie versprechen uns vor allem die Flucht aus dem Februar. Kein Monat im Winter wirkt so erdrückend auf uns: Der Dezember ist gefüllt mit Lebkuchen, Keksen und Weihnachten. Der Januar startet durch den Jahreswechsel fröhlich und manchmal auch mit guten Vorsätzen. Aber der Februar? Der kürzeste Monat im Jahr, aber der längste für uns. Manchmal denken wir, der Valentinstag wurde nur erfunden, um dem Februar zu ertragen.

Adeus Hamburg
Aber lange genug über den Februar geredet, es ist kurz vor halb vier. Die Rucksäcke sind gepackt, die Wohnung auf Vordermann gebracht und das Taxi steht vor der Tür… Bom Dia, Capo Verde!

Mit dem Taxi geht es zum Flughafen Hamburg, der sich trendy Hamburg Airport nennt. Großer Name, übersichtlicher Flughafen. Wir steigen am Terminal 1 aus und uns erwartet eine fast Menschen leere Halle. Am Check in Schalter der TUIfly stehen bereits einige Urlauber: Viele Rentner, einige Familien mit kleinen Kindern und einige einzeln Reisende mit dem Ziel Boa Vista oder Sal. Flieger bringt uns zuerst nach Boa Vista und danach fliegen einige weiter nach Sal.

Laberlocke
Wir stellen uns hinten an und schieben unsere Rucksäcke Richtung Schalter, wenn es voran geht. In der Schlange fällt uns ein Typ auf. Auf unseren Reisen in Deutschland, Europa und im Rest der Welt sind uns einige Typen von Reisenden aufgefallen. Dieser gehört zur Gattung der Nervensystem zerstörenden Spezies. Kurz gesagt, der Kerl ist eine Nervensäge.

Zwischen ihm und uns sind zum Glück ein Einzelgänger, nennen wir ihn Dude, und ein älteres Pärchen. Das Pärchen spricht er erst gar nicht an. Aber der Dude ist ein ideales Opfer.

Aber woran erkennt man eine Nervensäge? Immer versucht dieses Wesen jeden anzuquatschen und nicht ein Gespräch über Wetter und Klima führt, sondern ausschließlich sich selbst präsentiert. Genau so ist auch unser neuer Freund, der als Kind in einen Topf Kaffee gefallen zu sein scheint. 

„Hey Mann, alles gut?“
„Ja, schon OK.“
„Alles cool. Alles cool. Bist du Surfer oder Kiter?“
„Ich surfe.“
„Oh du Armer, also ich kite, weil den Wind auf den Kap Verden sollte man nicht verschenken … Bla… Bla… Bla“

Und so geht es weiter und der Dude sucht nach jeder Möglichkeit, jedem Strohhalm, um dem Monolog der Selbstbeweichräucherung zu entkommen. Aber er hat keine Chance.

„Laberlocke.“, sagt Julia plötzlich mit einem verschmitzten Lächeln.
„Was?“
„Laberlocke. Der Typ heißt ab jetzt Laberlocke.“
„Soviel Glück wie wir haben, sitzt er neben uns.“

Währenddessen geht es weiter voran und endlich sind wir auch dran. Wir geben unsere Rucksäcke auf und bekommen die Bordkarten. Das war es erstmal. Oder doch nicht? Die Checkinfrau sagt uns, unsere Rucksäcke seien als Sperrgut auf zu geben. Wir sollen zur Sperrgutannahme gehen… Mit Rucksäcken?

Egal, wir geben unser Gepäck dort ab und jetzt einen Kaffee trinken…