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Meine Aufgaben als Praktikantin an der DSI

Meine Bezeichnung in der Schule war „Praktikantin in der Grundschule“ und bei den Kinder wurde ich „Helferin“ genannt. Die Kinder mussten jeden der Mitarbeiter mit Nachnamen ansprechen. Ich wollte jedoch gerne, dass sie mich mit Vornamen ansprechen dürfen, um einen Unterschied zu meiner Rolle zu verstärken. Das wurde erlaubt.

Meine Arbeit begann jeden Morgen um 8.15 Uhr als „Service-Abla“ (Abla = große Schwester) im Schulbus. Das bedeutete, dass ich an der Seite des Busfahrers für das Einsammeln der Kinder verantwortlich war und dass es im Bus nicht zu laut wurde.
Die Kleinen mussten angeschnallt, die Großen darauf hingewiesen werden. Hier fanden erste Gespräche statt und die Kinder erzählten viel von zu Hause. Die Fahrt dauerte ca. 45 Minuten. Beim Aussteigen wurde aufgepasst, dass die Kinder sicher ins Schulgelände kamen und nichts im Bus vergaßen.
Um 9 Uhr begann die Schule und vorher fanden kurze „Flurgespräche“ mit den LehrerInnen zu aktuellen Themen statt. Ich half mit bei der Unterrichtsvorbereitung, und während des Unterrichts assistierte ich den Lehrern bzw. half den Schülern, die Schwierigkeiten hatten, oder sich weigerten mitzuarbeiten. Meine Aufgaben als Praktikantin an der DSI weiterlesen

Wie finanziert sich eine deutsche Schule in der Türkei?

Da der Schulträger, also der Verein, wie im vorigen Artikel bereits erwähnt, die materielle, räumliche und personelle Ausstattung der Schule sichert, erhebt er ein Schulgeld, um diese Aufwendungen zu bestreiten, dass im Falle der DSI 9000,- € jährlich beträgt.
Für bedürftige Eltern und Geschwisterkinder sind Rabatte möglich.
Hinzu kommen Zuwendungen der BRD, die über das Bundesverwaltungsamt in Köln abgerechnet werden. Wegen der häufig extrem kleinen Klassen dieser Schulen, reicht selbst diese finanzielle Ausstattung nicht aus, so dass es darüber hinaus notwendig ist, Sponsorengelder einzuwerben.

Wegen des besonderen Interesses der deutschen Wirtschaft an diesen Schulen (deren Existenz erleichtert das Aussenden von deutschen Mitarbeitern ins Ausland) kommen dabei oft bedeutende Beträge zusammen.
Hinsichtlich des zu zahlenden Schulgeldes ist es von besonderer Bedeutung, dass Angehörige des Öffentlichen Dienstes in Deutschland die Schulkosten ihrer Kinder erstattet bekommen. Dies trifft in der Regel auch für Mitarbeiter deutscher Firmen in der Türkei zu.
Dagegen ist die Bezahlung des Schulgeldes für deutsch-türkische Familien, die entweder freiberuflich tätig sind, oder in einem regulären türkischen Arbeitsverhältnis stehen, eine besondere Härte. Es verwundert deshalb nicht, dass der Großteil der Stipendienanträge von diesem Personenkreis gestellt wird.
Ziel des Trägervereins ist es, erfolgreich die Beschulung nach deutschen Richtlinien zu gewährleisten und die Existenz der Schule nachhaltig zu sichern. Damit leistet er einen Beitrag „zur erfolgreichen Dissiminierung der deutschen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik“. Wegen dieses übergeordneten Zieles erhält er auch den oben genannten Zuschuss des Bundesverwaltungsamtes. Da seine Aktivitäten im auswärtigen Interesse der BRD liegen, wird die Fachaufsicht über diese Art der deutschen Schulen von der zuständigen diplomatischen Auslandsvertretung ausgeübt.
Im Falle der DSI ist dies das Generalkonsulat in Izmir. Intensität und Wirkung dieser Aufsicht hängt dabei stark vom individuellen Interesse des Generalkonsuls und seiner Kulturdezernentin ab.
Im Falle der DSI ist ein gängelnder Einfluss kaum zu bemerken, die Kulturdezernentin tritt fast gar nicht in Erscheinung.

Die Geschichte der „Deutschen Schule Izmir“ (DSI)

Die DSI nahm ihren Unterrichtsbetrieb im September 2008 in Güzelbahce – Izmir auf. Vorausgegangen war eine sehr kurze, teilweise hektische und extrem aufwendige Arbeitsphase. Einige Eltern hatten ihre Kinder an der Schule angemeldet, als noch nicht einmal feststand, in welchem Gebäude und in welcher Lage der Unterricht stattfinden würde.

Schon einige Jahre vorher hatte es eine Initiative zur Gründung einer deutschen Schule in Izmir gegeben, die jedoch nicht erfolgreich war. Es muss darauf hingewiesen werden, das solche Gründungsphasen ungewöhnlich schwierige Zeiten beinhalten, da vor Beginn der Unterrichtsaktivitäten die Höhe deutscher Zuschüsse unklar ist, eine mittelfristige Einnahmenprognose unmöglich ist, gleichzeitig aber längerfristige vertragliche Verpflichtungen eingegangen werden müssen.

Die erfolgreiche Gründung im Jahre 2008 hat sicherlich auch damit zutun, dass sich in Izmir ein integrierter Natostab befindet, bei dem sich regelmäßig ca. 40-45 deutsche Berufssoldaten aufhalten. Da diese in der Regel mit ihren Familien anreisen, bestand alleine in diesem Klientel ein besonderes Interesse an der Gründung einer deutschen Schule.

Im Gegensatz zur DSI sind die anderen, in der Türkei befindlichen deutschen Schulen, historisch gewachsen und bestehen i.d.R. schon seit vielen Jahrzehnten.
Das Bildungsinteresse der Bevölkerung würde durchaus die Gründung weiterer deutschen Schulen ermöglichen. Wegen der im letzten Artikel genannten Einschränkung bei der Aufnahme von Kindern an der Schule wird sich dies aber kaum realisieren lassen.
Im Zuge einer möglichen Annäherung der Türkei an die EU wäre dies mit einer Gesetzesänderung möglich und ein Ansturm auf bestehende deutsche Schulen, bzw. Neugründungen wären die Folge. Dies reflektiert auch die kritische Distanz, die viele Türken gegenüber ihrem eigenen Schulsystem haben.

Das Gespräch an der Deutschen Schule Izmir

Von Marions Kindergarten sind es keine 10 Minuten Fußweg zur Deutschen Schule Izmir, vorbei an Feldern und gut abgesicherten Grundstücken. Gegenüber der Schule sind viele Ferienhäuser und zu jedem gehört ein Wachhund.

Die Schule ist ebenfalls ummauert und ich klingele am Tor.
Die Sekretärin öffnet mir und ich betrete das Grundstück:

Die „Schule“, das ist zu diesem Zeitpunkt noch eine „Villa“ mit weitläufigem grünem Garten drumherum.
Der Schulhof ist umsäumt von Olivenbäumen und Tannen, alles ist sehr natürlich belassen und schafft eine angenehme Atmosphäre.
Es gibt einen kleine einfachen Schotter-Fußballplatz, ein Volleyballfeld, ein Ententeich und ein kleines Schildkrötengehegen.

Ein Lehrerzimmer in dem Sinne gibt es nicht, wir sitzen alle gemeinsam im Büro.
Das Gespräch findet mit dem Schulleiter und allen Lehrern – zu diesem Zeitpunkt 4 an der Zahl – statt.

Schon im Gespräch wird klar, ich kann mich hier an vielen Ecken und Enden konstruktiv einbringen. Gleichzeitig werden meine Projektvorschläge aufgenommen und mir wird die Freiheit gelassen meine Ideen umzusetzen.

Die 2 Lehrerinnen mit denen ich in Zukunft enger Zusammenarbeiten werde begleiten mich noch hinaus.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, das Gespräch ist gut gelaufen und mein Praktikum kann beginnen!
Heute Abend wird gefeiert!

Das Gespräch in Marions Kindergarten

Ich rufe also Marion an, um mit ihr ein Termin zu vereinbaren.

Mit dem Bus 82 kann man bis nach Güzelbahçe raus fahren.
Es ist eine lange ermüdende Strecke, im ungemütlichen, stinkenden Bus.
Schön ist es dann, wenn man endlich aus Izmir raus ist: Der Bus fährt dann irgendwann am Meer entlang, eine tolle Aussicht, die einen die unbequemen Umstände ein wenig vergessen lassen.

Von der Busstation Yaka Mahallesi ist es dann nur noch ein kurzer Fußweg. Ich laufe durch ein Tor hindurch und bin auf einem wunderschönen, großen, grünen Grundstück: mit Olivenbäumen so weit das Auge reicht, einem schönen Haus und einem riesigen Spielplatz.
Ich setze mich mit Marion auf die Terrasse und wir trinken gemütlich Kaffee und unterhalten uns. Ich fühle mich sehr wohl, Marion ist eine sehr symphatische, aufgeschlossene Frau.
Sie kommt ursprünglich aus Deutschland und hat nun hier mit ihrem türkischen Mann, seit dem Spätsommer 2007, diesen bilingualen Kindergarten eröffnet.

Sie erzählt mir im laufe des Gespräches von der Deutschen Schule Izmir, die nicht weit von dem Kindergarten liegt und dass dort zur Zeit dringend Hilfe benötigt würde – ob ich mir das auch vorstellen könne. Marion selbst (Diplom Pädagogin) war zu diesem Zeitpunkt auch noch an der Schule tätig, da einer ihrer Söhne dort zur Schule ging.

Klar, die schau ich mir auch noch an!
Marion griff zum Hörer, kündigte mich an und so kam es, dass ich am gleichen Tag noch ein Gespräch an der Deutschen Schule Izmir bekam.

Vorbereitung Vorstellungsgespräch in Izmir

Genug eingelebt.
Es wird Zeit für das erste Vorstellungsgespräch.

Mittlerweile hat sich auch ein netter E-Mail Kontakt zu der Takev-Schule aufgebaut und da diese Schule von uns aus am nächsten ist – Marions Kindergarten und die Deutschen Schule Izmir liegen nämlich weiter draußen in Güzelbahçe – entscheide ich mich, hier mein erstes Vorstellungsgespräch zu vereinbaren.

Gesagt getan.
Doch an eine Sache hatte ich nicht gedacht beim Packen: ordentliche Kleidung für ein Vorstellungsgespräch!
Ich hatte weder Bluse, noch „feine“ Hose , nein, nicht mal Tussi-Schuhe in meinem Gepäck!

Mist. Also ab ins Shopping-Center!

Der Tussi-Look ist hier besonders wichtig, wozu auch fett Schminken, Nagellack und möglichst ein Frisör-Termin vor dem Gespräch gehört – wie ich aus Unterhaltungen mit unseren Bekannten erfahren habe.
Für türkische Frauen und auch Männer, ist die Tussi das Zeichen für die moderne Frau und die einzige Möglichkeit sich von der unteren Schicht abzuheben. Das finde ich sehr Schade, aber es braucht wahrscheinlich einfach noch Zeit, bis die Frauen hier sich auch anders als mit Chici Mici Äußerlichkeiten behaupten zu können.
Das wiederum verstanden unsere Bekannten während unserer Diskussion nicht so ganz und bevor es zu Missverständnissen kommt, wechselt man dann halt besser das Thema. Fußball! Kommt hier immer an!

Ja, nun bei näherem Betrachten, der Menschen auf den Straßen hier in unserer Gegend – und dem neuen Hintergrundwissen -wird es mir auch deutlich:
Entweder „Bauer“ oder „Tussi“, etwas dazwischen sucht man wie die Nadel im Heuhaufen.