Sri Lanka by Tuk Tuk – Teil 5 – Der Vogelmann

Schließlich kommen wir an einem kleinen Häuschen mit kleinem Garten vorbei. Das ist der interessanteste Stop auf der ganzen Fahrt. Ich würde sagen sogar der Eindruckvollste. Hier lebt ein Pärchen, die keine Kinder haben und doch sind sie nicht allein. Denn neben der Ernte, den der Garten ihnen schenkt, haben sie viele viele Vögel um sich. Aber nicht in Käfigen, sondern freie Vögel.

Den Mann taufen wir den Vogelmann.
Die Vögel fliegen auf ihn zu und setzen sich auf seinen Kopf oder seine Schultern, wenn er nur pfeift. Überall im Garten hat er kleine, wilde, dichte Büsche aufgestellt, die den Vögeln Schutz bieten und als Nistplatz dienen. Mit seinen Händen öffnet er eine Stelle in einem dieser Büsche und zeigt uns ein Nest mit einem brütenden Vogel. Der Vogel bewegt sich kein bisschen und hat gar keine Angst. Der Vogelmann nimmt den Vogel hoch und zeigt uns, dass die Eier bereits ausgebrütet und neu geborene Küken piepsen nach Futter. Ein weiterer Vogel kommt hinzu, setzt sich auf die Schulter des Vogelmanns, tapst mit Beute im Schnabel runter und füttert eines der Küken. Alles offen vor unseren Augen. Wir haben bisher noch nie so etwas so nah gesehen. Der Vogel springt wieder auf die Hand des Vogelmanns und fliegt weiter und der erste Vogel wird wieder zum Brüten in das Nest gepackt.

Aber damit nicht genug. Er läuft weiter und führt uns zu seinem Haus. Er will uns etwas zeigen. Als wir an der Tür ankommen, staunen wir nicht schlecht: Mitten im Wohnraum an der Decke hat sich ein Vogel ein kugelrundes Nest gebaut! Es baumelt im Raum wie eine Deckenlampe. Mit dem Unterschied, dass diese Ökolampe nicht leuchtet, sonden piepst. Völlig beeindruckt von diesem Augenblick fällt uns auf, dass der Vogelmann eine Kugel um seinen Hals trägt. Ich frage Sunil, was es auf sich hat, mit dieser Kugel.
Dann wird der Vogelmann, der die ganze Zeit ein breites Lächeln im Gesicht trug, schlagartig sehr ernst. Er erzählt, dass er früher aus Spaß Vögel abgeschossen hätte. Jetzt aber, weiß er, dass das, was er tat nicht richtig war und hat die letzte Kugel um seinen Hals gehangen, damit er nie vergisst, wie qualvoll er Tiere getötet hat. Wir sind beeindruckt. Wir hatten nicht damit gerechnet, mitten im Dschungel solche Bekanntschaften zu machen – die solche Gedanken haben. Wir bemerken, dass das Pärchen viele kleine Chillies angebaut hat und kaufen einige von den Chillies zum Abschied und finden uns völlig aufgewühlt im Tuk-Tuk wieder.

Es geht weiter. Wohin?

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