Meine Aufgaben als Praktikantin an der DSI

Meine Bezeichnung in der Schule war „Praktikantin in der Grundschule“ und bei den Kinder wurde ich „Helferin“ genannt. Die Kinder mussten jeden der Mitarbeiter mit Nachnamen ansprechen. Ich wollte jedoch gerne, dass sie mich mit Vornamen ansprechen dürfen, um einen Unterschied zu meiner Rolle zu verstärken. Das wurde erlaubt.

Meine Arbeit begann jeden Morgen um 8.15 Uhr als „Service-Abla“ (Abla = große Schwester) im Schulbus. Das bedeutete, dass ich an der Seite des Busfahrers für das Einsammeln der Kinder verantwortlich war und dass es im Bus nicht zu laut wurde.
Die Kleinen mussten angeschnallt, die Großen darauf hingewiesen werden. Hier fanden erste Gespräche statt und die Kinder erzählten viel von zu Hause. Die Fahrt dauerte ca. 45 Minuten. Beim Aussteigen wurde aufgepasst, dass die Kinder sicher ins Schulgelände kamen und nichts im Bus vergaßen.
Um 9 Uhr begann die Schule und vorher fanden kurze „Flurgespräche“ mit den LehrerInnen zu aktuellen Themen statt. Ich half mit bei der Unterrichtsvorbereitung, und während des Unterrichts assistierte ich den Lehrern bzw. half den Schülern, die Schwierigkeiten hatten, oder sich weigerten mitzuarbeiten. Meine Aufgaben als Praktikantin an der DSI weiterlesen

Struktur der Tage an der DSI

Um 9 Uhr beginnt der Schulunterricht.
Die Grundschüler haben die Fächer: „Wochenplan“(darauf gehe ich später noch ein), Deutsch, Mathe, Sachunterricht, LeiseLeseStunde, Musik, Kunst, Sport, Englisch und Türkisch.
Der Schulgong wird per Hand vom „Gongdienst“ geschlagen, jede Woche übernimmt ein anderes Kind diesen Dienst. Daraufhin bereitet der „Kissendienst“ den Sitzkreis für die komplette Grundschule vor. Die Grundschüler 1.-4. Klasse versammeln sich hier im Kreis gemeinsam mit den Lehrern und als Erstes wird, das „GutenTag-Lied“ gesungen verbunden mit rhythmischen Klatschen und Schnipsen. Nun wird auf deutsch, türkisch oder englisch, vorwärts und rückwärts durchgezählt, jedes Kind nennt seine Zahl.
Im Anschluss werden montags Erlebnisse vom Wochenende erzählt. Reihum berichtet jedes Kind mit Hilfe des Erzählsteins den es weitergibt, wenn es fertig ist.
Den Stein hält das Kind in der Hand, dies soll das Erzählen erleichtern, dem Kind Sicherheit geben. An den anderen Wochentagen wird gefragt, ob es etwas wichtiges zu besprechen gibt – Sachen wie: Neue Regeln, Feste, Ausflüge die anstehen, Probleme. Und ein kurzes Spiel wird gespielt.
Für dieses morgendliche Einstimmen ist keine feste Zeit vorgegeben. Struktur der Tage an der DSI weiterlesen

Erwartungen – die Schule und die Schüler

Beim Betreten der Schule zieht jeder seine Schuhe aus, denn in der DSI werden Hausschuhe getragen. Das hat nur den Hintergrund, dass möglichst wenig Schmutz herein getragen wird – verbessert aber gleichzeitig das Wohlfühlen.

Die Unterrichtsräume, die Küche und das Büro befinden sich alle in einem Gebäude, die Grundschule im unteren Geschoß, die Mittelstufe im Obergeschoß.
Zum Sportunterricht wird mit dem „Service-Bus“ zu einer externen Sporthalle gefahren und zum Töpfern ebenfalls zu einem nicht weit entfernten Atelier.

Die Schule befindet sich noch im Aufbau, die Eröffnung war einen Monat vor meinem Praktikumsbeginn. Somit ist zu berücksichtigen, dass alle Schüler neu auf die Schule gekommen sind. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass sie von sehr unterschiedlichen Schulen aus unterschiedlichen Ländern kommen. Dies spiegelt sich in extremen Unterschieden ihres Bildungsstandes, besonders in den Kernfächern, wieder.
Die DSI hat eine Grundschule, in der jeweils die 1.und 2. , sowie 3. und 4. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Das hat seine Vor- und Nachteile.
Positiv ist, dass dadurch ein klassenübergreifendes Gruppengefühl entstehen kann, das gefördert werden soll.
Negativ dabei ist, dass sich die Grundschullehrerinnen oft überfordert fühlen, besonders in den Kernfächern wie z.B. Mathematik, den Lernstoff getrennt zu vermitteln. Erwartungen – die Schule und die Schüler weiterlesen

Wie finanziert sich eine deutsche Schule in der Türkei?

Da der Schulträger, also der Verein, wie im vorigen Artikel bereits erwähnt, die materielle, räumliche und personelle Ausstattung der Schule sichert, erhebt er ein Schulgeld, um diese Aufwendungen zu bestreiten, dass im Falle der DSI 9000,- € jährlich beträgt.
Für bedürftige Eltern und Geschwisterkinder sind Rabatte möglich.
Hinzu kommen Zuwendungen der BRD, die über das Bundesverwaltungsamt in Köln abgerechnet werden. Wegen der häufig extrem kleinen Klassen dieser Schulen, reicht selbst diese finanzielle Ausstattung nicht aus, so dass es darüber hinaus notwendig ist, Sponsorengelder einzuwerben.

Wegen des besonderen Interesses der deutschen Wirtschaft an diesen Schulen (deren Existenz erleichtert das Aussenden von deutschen Mitarbeitern ins Ausland) kommen dabei oft bedeutende Beträge zusammen.
Hinsichtlich des zu zahlenden Schulgeldes ist es von besonderer Bedeutung, dass Angehörige des Öffentlichen Dienstes in Deutschland die Schulkosten ihrer Kinder erstattet bekommen. Dies trifft in der Regel auch für Mitarbeiter deutscher Firmen in der Türkei zu.
Dagegen ist die Bezahlung des Schulgeldes für deutsch-türkische Familien, die entweder freiberuflich tätig sind, oder in einem regulären türkischen Arbeitsverhältnis stehen, eine besondere Härte. Es verwundert deshalb nicht, dass der Großteil der Stipendienanträge von diesem Personenkreis gestellt wird.
Ziel des Trägervereins ist es, erfolgreich die Beschulung nach deutschen Richtlinien zu gewährleisten und die Existenz der Schule nachhaltig zu sichern. Damit leistet er einen Beitrag „zur erfolgreichen Dissiminierung der deutschen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik“. Wegen dieses übergeordneten Zieles erhält er auch den oben genannten Zuschuss des Bundesverwaltungsamtes. Da seine Aktivitäten im auswärtigen Interesse der BRD liegen, wird die Fachaufsicht über diese Art der deutschen Schulen von der zuständigen diplomatischen Auslandsvertretung ausgeübt.
Im Falle der DSI ist dies das Generalkonsulat in Izmir. Intensität und Wirkung dieser Aufsicht hängt dabei stark vom individuellen Interesse des Generalkonsuls und seiner Kulturdezernentin ab.
Im Falle der DSI ist ein gängelnder Einfluss kaum zu bemerken, die Kulturdezernentin tritt fast gar nicht in Erscheinung.

Wer trägt die deutschen Schulen in der Türkei?

Die bestehenden deutschen Schulen in der Türkei werden von Elternvereinen als Träger der Schule unterhalten. Das bedeutet, dass der in Deutschland übliche kommunale Träger (also die Gemeinde oder der Landkreis) durch einen privaten Elternverein ersetzt wird, der beim Auswärtigen Amt in Berlin als Auslandsverein amtlich registriert worden ist und so die Eigenschaft einer juristischen Person hat.

Der Trägerverein der DSI ist ein Verein nach deutschem Recht, der aber seine Aktivitäten im Ausland entfaltet. Das bedeutet, dass Arbeitsverträge in deutscher Sprache nach deutschem Recht und mit Gerichtsstand Berlin geschlossen werden.
Auf Grund seines quasi diplomatischen Status’ ist der Verein von der Steuerpflicht in der Türkei befreit. In der Realität des täglichen Lebens ist es so, dass die Türkei von der Schule keine Notiz nimmt und auch deren Abschlüsse nicht anerkennt. Deshalb ist es nicht sinnvoll, keine türkischen Kinder in der Schule aufzunehmen, da diese nicht in das türkische Schulsystem zurückwechseln können.

Somit hat diese Schule nicht den Charakter einer kulturellen Begegnungsschule.

Wenn im täglichen Leben trotzdem das Gastland präsent ist, liegt das in erster Linie daran, dass doch eine erhebliche Anzahl von Kindern aufgenommen wird, die Doppelstaatler sind.
Die Rolle des Schulvereins begrenzt sich auf den Aktionsradius, den ein öffentlicher deutscher Schulträger auch hat. Das bedeutet, dass die Schule im wesentlichen in ihrem Tagesgeschäft autonom handelt. Der Schulträger, also der Verein, sichert die materielle, räumliche und personelle Ausstattung der Schule.

Die Geschichte der „Deutschen Schule Izmir“ (DSI)

Die DSI nahm ihren Unterrichtsbetrieb im September 2008 in Güzelbahce – Izmir auf. Vorausgegangen war eine sehr kurze, teilweise hektische und extrem aufwendige Arbeitsphase. Einige Eltern hatten ihre Kinder an der Schule angemeldet, als noch nicht einmal feststand, in welchem Gebäude und in welcher Lage der Unterricht stattfinden würde.

Schon einige Jahre vorher hatte es eine Initiative zur Gründung einer deutschen Schule in Izmir gegeben, die jedoch nicht erfolgreich war. Es muss darauf hingewiesen werden, das solche Gründungsphasen ungewöhnlich schwierige Zeiten beinhalten, da vor Beginn der Unterrichtsaktivitäten die Höhe deutscher Zuschüsse unklar ist, eine mittelfristige Einnahmenprognose unmöglich ist, gleichzeitig aber längerfristige vertragliche Verpflichtungen eingegangen werden müssen.

Die erfolgreiche Gründung im Jahre 2008 hat sicherlich auch damit zutun, dass sich in Izmir ein integrierter Natostab befindet, bei dem sich regelmäßig ca. 40-45 deutsche Berufssoldaten aufhalten. Da diese in der Regel mit ihren Familien anreisen, bestand alleine in diesem Klientel ein besonderes Interesse an der Gründung einer deutschen Schule.

Im Gegensatz zur DSI sind die anderen, in der Türkei befindlichen deutschen Schulen, historisch gewachsen und bestehen i.d.R. schon seit vielen Jahrzehnten.
Das Bildungsinteresse der Bevölkerung würde durchaus die Gründung weiterer deutschen Schulen ermöglichen. Wegen der im letzten Artikel genannten Einschränkung bei der Aufnahme von Kindern an der Schule wird sich dies aber kaum realisieren lassen.
Im Zuge einer möglichen Annäherung der Türkei an die EU wäre dies mit einer Gesetzesänderung möglich und ein Ansturm auf bestehende deutsche Schulen, bzw. Neugründungen wären die Folge. Dies reflektiert auch die kritische Distanz, die viele Türken gegenüber ihrem eigenen Schulsystem haben.

Deutsche Schulen in der Türkei

In der Türkei gibt es im Jahre 2009 deutsche Schulen in den Städten Istanbul, Ankara und Izmir, die nach dem deutschen Curriculum arbeiten. Aufgenommen werden nur Kinder deutscher Nationalität oder Bi-Nationale Kinder.

Der türkische Staat legt Wert darauf, dass seine eigenen Staatsangehörigen Schulen besuchen, die dem türkischen Bildungsministerium unterstehen.

Da grundsätzlich auch alle anderen privaten, zugelassenen Schulen in der Türkei dem Einfluss der staatlichen Kultusbürokratie unterstehen, ist es notwendig, dass die hier bestehenden deutschen Schulen als Botschaftsschulen geführt werden.
Dies bedeutet, dass diese Bildungseinrichtungen einen quasi diplomatischen Status genießen und als Privatschule der Botschaft (ggf. mit Außenstellen außerhalb der Stadt, in der die Botschaft liegt) ein deutsches Bildungsangebot entfalten können, für das sich türkische Behörden nicht interessieren können, da es wegen seiner diplomatischen Immunität dem Einfluss türkischer Verwaltung entzogen ist.
Aus diesem Grunde ist es auch unmöglich, dass rein türkische Kinder in einer solchen Schule aufgenommen werden können.