Auf Dem Weg Nach Efes / Ephesus

Von Izmir nach Ephesos braucht man nicht allzu lange.

Mit dem Auto gemütlich die Küste entlang ist man in ca. 1,5 – 2 Stunden da.

Eine sehr schöne Strecke, die immer wieder zum anhalten und Ausblick genießen einlädt.
Ephesos war eine griechische Stadt und ist eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten in der Türkei.

Es gibt Ruinen aus griechischer und römischer Zeit zu besichtigen.

Zu sehen gibt es hier so viel – haben wir später festgestellt- ,dass ein Tag nur schwer reicht, wenn man sich alles genau anschauen möchte.

Uns fällt an der Kasse eine Werbung auf: „Müzekart“!
Der Eintritt kostet ca. 10 Euro und für den gleichen Preis wurde eine „Müzekart“ angeboten, mit der man freien Eintritt zu sämtlichen Museen und anderen kulturellen Sehenswürdigkeiten der Türkei hat.

Die wollen wir uns natürlich gleich ausstellen lassen:
– Ob ich Türkin sei, sie brauchen meinen Pass für die Ausstellung der Karte.
– Nein, ich bin keine türkische Staatsbürgerin.
– Dann gibt es auch keine Karte.
– Wieso das denn nicht?
– „Die Müzekart wurde nur für türkische Staatsbürger ins Leben gerufen, da kaum Türken interessiert sind an den Kulurerben ihres Landes, Museen etc.“
Ich dachte die Frau will mich verarschen.

– Nein es sei wirklich so: „die Karte soll für die Türken ein Anreiz sein sich mal etwas anzuschauen in ihrem Land und sich zu bilden.“
Alles klar!?!

Auto Mieten = Familienzuwachs

Wir haben uns vorgenommen, über das Wochenende eine Tour nach Efes zu machen. Da man von Izmir mit dem Bus nur sehr schwierig nach Efes kommt, wollen wir ein Auto mieten. Die Automiete läuft eigentlich ganz einfach ab – ähnlich wie in Deutschland – aber seltsam war es trotzdem: Wir wollten nicht lange suchen und haben die nächste Mietstation auf der Inönü Cadde angesteuert. Als wir ankamen, war der Chef nicht im Büro. Das Büro war aber offen und der Friseur von nebenan hat uns rein gebeten. Um einen Kunden zu halten, helfen sich die Leute hier halt ein wenig aus.

Es war eigentlich auch klar gewesen, dass der „Friseur“ nach dem Laden schaut. Denn neben jedem Laden gibt es einen Friseur. Eigentlich sind auf der Inönü Cadde etwa 30% der Läden Friseurläden. Das ist kein Witz. Der türkische Mann von Welt gönnt sich eine kleine Wellnessbehandlung alle 4 bis 6 Wochen beim Friseur des Vertrauens. Denn schließlich renkt der auch mal den Hals ein, so nebenbei.

Auf die Frage, wo denn der Chef sei, haben wir nur eine Antwort bekommen: „Er ist unterwegs, aber gleich da.“

Das „gleich-da“ wurde zu einer Warterei von ca. 20 Minuten. Aber im Laden war eine Klimaanlage und so war das Warten keine große Qual und Tee wurde angeboten. Wir haben dann gefragt, ob jemand mal bei dem Typen anrufen kann und das tat der Friseur auch. Als wir dann schließlich erneut Tee angeboten bekommen und die Zeit weiter voran schritt, fragen wir nun nach der Telefonnummer des Chefs und rufen selbst an. Er sagt, dass er mit dem Moped unterwegs sei, um Modeschmuck (!) irgendwo abzuholen, den er dann verkaufen will. Aber er sei auf dem Weg zurück und bald da. Wir fragen schonmal nach den Preisen und Autos.

Er hat gerade zwei Autos da: Einen Toyota und einen Tata. Ja, richtig:  einen Tata.

Für den Totyota will er 150 YTL haben und für den Tata 75 YTL. Ein Blick aus dem Fenster und wir entscheiden uns für den Tata. Mehr Auto brauchen wir nicht!

Wir sagen ihm dann noch, dass die Kollegen hier die Formalitäten doch schon erledigen könnten und wir dann die Wartezeit sinnvoll nutzen könnten. Er findet die Idee auch gut und dann geht’s los: Führerschein, Kreditkarte und Personalausweis sollen wir dem Friseur geben. Dieser reicht uns ein Formular rüber, welches wir dann auch schnell ausfüllen. Er kopiert sich alles und schon haben wir das Auto gemietet. Jetzt müssen wir nur noch auf den stolzen Vermieter warten. Denn der hat die Schlüssel bei sich.

Nach einigen Minuten steht er dann auch vor der Tür und sagt gleich als erstes: „Ihr müsst den Wagen nicht sofort um 9 Uhr abgeben. Bringt ihn einfach im Laufe des Vormittags vorbei.“

Quasi als Entschädigung für die Wartezeiten. Auch gut…und wir brauchen nicht zu früh aufstehen.

Er reicht den Schlüssel und die Fahrzeugpapiere rüber und sagt noch:

„Wenn ihr einen Unfall bauen solltet, sagt nicht, dass das Auto ein Mietwagen ist, sondern der Wagen gehöre einem Bekannten.“

„Bekannten?“

„Ja. Cousin oder so…“

„Also sind wir verwandt?“

„Wir sind doch alle Brüder!“

Mit einem Auto haben wir mal eben die Familie um einen Friseur und einen Modeschmuck verkaufenden Autovermieter erweitert.

Auf nach Efes!

Rein Ins Quirlige Stadttreiben

Langsam kehrt Ruhe ein in das Anfangschaos.  Ja, aller Anfang ist schwer..oder wie heißt es so schön?!

Möchte man von uns aus in die Stadt, kann man mit dem Bus fahren oder mit der Fähre. Mit der Fähre ist natürlich wunderschön, nur von unserem Pier aus, dann doch nur zu sehr eingeschränkten Uhrzeiten.

Also laufen wir runter zur Promenade, vorbei an unglaublich vielen Apotheken und steigen in den Bus Nr.8. Heute wollen wir uns ein wenig von der Stadt anschauen.

Saat Kulesi : Uhrenturm auf dem Konak-Platz

Wir beginnen wieder am Konak-Pier mit einem Cappuccino am Wasser

und laufen dann rüber zu dem Uhrturm ( Saat Kulesi) auf dem Konakplatz.

Das Wahrzeichen von Izmir!

Die Uhr war übrigens ein Geschenk Kaiser Wilhelm II,

um den deutschen Einfluß damals auszubauen.

Auf dem Platz wimmelt es nur so von Tauben, Kinder haben ihren Spaß

und alte Frauen verkaufen Körner zum verfüttern.

Kleine Konak-Moschee

Gleich daneben steht die kleine Konak-Moschee,

die wirklich winzig in dieser Umgebung erscheint.

Sie ist sehr schön mit Fliesen aus Kütahya verziert.

Von hier aus kann man gemütlich weiter ins Innere der Stadt bummeln,

denn hier beginnt auch gleich Kemeralti – das Marktviertel!

Kleinere, bunte, alte Häuser säumen die Straße – in jedem ein anderer Laden, es ist proppe voll und laut.

Je weiter man rein läuft, desto unübersichtlicher wird es, da man sich in lauter Nebenstraßen verliert, die alle mit interessanten Läden oder verspielten Cafés locken.

Das Marktviertel - Kemeralti

Das Wetter ist immer noch warm und sonnig. Geschafft vom vielen Laufen geht es zurück in unsere Wohnung.

Heute Abend sind wir wieder bei Tante Fatma zum Essen eingeladen. Ein reich gedeckter Tisch empfängt uns. Besonders lecker finde ich, wie sie den Salat anmacht. Sie nimmt als Dressing: Zitronensaft, Granatapfel-Sirup und Olivenöl!  Mmmmmh lecker!

Busfahren Einmal Anders!

Es gibt hier die Kentcard für die öffentliche Busse und die kann man auch für die Fähren nutzen.

Die Kentcard ist eine Plastikkarte, die man z.B. im Zeitungsladen kaufen und auch aufladen kann und die man beim Einstieg an den eingebauten Sensor hält.
Ca. 70 Cent werden pro Fahrt von der Karte abgebucht ( steigt man aus und innerhalb einer Stunde wieder ein, wird nicht erneut abgebucht).
Nimmt man jemanden mit, sagt man dem Fahrer vorher: “ Iki ki?i“ (zwei Personen)!
Der Fahrer gibt dann ein , dass der Sensor doppelt abbucht.

Die Sitze in den Bussen sind leider mit unregelmäßigem Beinabstand angeordnet und tagsüber sind sie eigentlich immer zum platzen voll.
Dazu kommt, dass der Busfahrer immer fährt, als wenn er sich tierisch beeilen muss und ihm dann jedes Mal plötzlich wieder einzufallen scheint, dass kurze Zeit später ja wieder eine Haltestelle kommt und er wieder ordentlich abbremst.

Das telefonieren mit dem Handy in den Bussen ist Verboten, was ich eine sehr angenehme Sache finde.

Was hier übrigens deutlich besser klappt als in Deutschland ist, dass immer dafür gesorgt wird, dass ältere Menschen einen Sitzplatz bekommen. Wenn es mal nicht selbstverständlich passiert, setzen sich andere Mitfahrer lautstark dafür ein, dass ein Platz frei gemacht wird.

Blick von unserem Appartement auf die Inönü Cad.

Appartement-Service

Der Vorteil an diesen Appartement Häusern ist, dass man einen gewissen Service genießen kann. Diese Service-Arbeiten erledigt der „Pförtner“.
Am praktischsten finde ich den Müll-Service.
Ab 18 Uhr stellt man seinen Müll vor die Tür und bis 19.30 Uhr dreht der „Pförtner“ seine Runden um ihn einzusammeln.

Auch sehr wichtig: Der Wasser-Service, da das Leitungswasser kein Trinkwasser ist! 19 Liter Kanister für 4 Lira also ca. 2 Euro, trägt er Dir nach oben.
Na nicht ganz, es gibt einen Fahrstuhl…. mit Musik 😉

Gegen Bezahlung gibt es um ca. 7.30 Uhr den Zeitungs-Service.
Die Zeitung (0,30 Lira also ca.17 Cent) wird natürlich an die Tür gebracht.

Um ca. 9 Uhr ist Brot-Service, man kann sich frisches Brot (0,75 Lira also ca. 40 Cent) bringen lassen.

Den Tag über gibt es die Möglichkeit den Einkaufs-Service zu nutzen. Man drückt dem „Pförtner“ seine Liste in die Hand und der erledigt die eventuelle Schlepperei.

Man kann auch seine Stromrechnung bei ihm abgeben, dass er sie bei der Bank bezahlen geht.

Ansonsten kommt er einmal im Jahr zum Gift spritzen, gegen diese Krabbel-Viecher, die hier leider in Heizungs-Hochhäusern normal sind – wie wir ja nun von Tante und Onkel erfahren haben.

Ein Park Am Meer

Der Elektriker kam heute um sich um die Sicherung, die jedes Mal bei Spülmaschinenbenutzung raus flog zu kümmern. Dann reparierte er noch sämtliche Steckdosen, die nicht funktionierten und nun ist hoffentlich Ruhe im Karton. Elektriker sind eine ganz besonderer Schlag Handwerker. Es scheint wohl daran zu liegen, dass man einen sich einen kleinen oder großen Schlag holen kann, wenn man nicht aufpasst. Der Elektriker erklärt uns, wieso und warum die Sicherungen raus fliegen. Es läge daran, dass viele Leitungen in der Wohnung nicht geerdet seien. Also nur zwei statt drei Drähte im Kabel vorhanden sind. Vor dreißig Jahren, war das auch nicht nötig. Denn eine Waschmaschine und ein Fernseher waren das höchste der Elektrogefühle. Jetzt, wo man mehr geerdete Leitung braucht, muss saniert werden. Und unsere Eigentümerin, habe das wohl nicht gebraucht. Nach dem Gespräch und getaner Arbeit, verabschiedet sich der Elektriker und unsere Wohnung ist nun ein wenig näher an der Erde. Dank eines Kabels…

Heute sind wir dann mal etwas früher aus der Wohnung raus gekommen und sind wieder runter zum Meer. Dieses Mal spazieren wir in die andere Richtung.
Die Promenade endet nach kurzer Zeit an der Autofähren-Station Ückuyular.
Von hieraus sind wir noch ein Stück an der Straße weiter und siehe da…
Wir entdecken einen Park.

Blick in den Park

Ich bin so froh:
ein großer weitläufiger Park….
am Meer…
mit Kiesstrand…
Der Park ist naturbelassen und scheint irgendwie nicht zu dieser Stadt zu gehören.
Nur hier wirkt die Stadt etwas natürlich.

Hier und da, im Park und am Strand, stehen Picknickbänke in größerem Abstand.
An ein paar davon sitzen Familien und grillen. Ein Gruppe abgehärteter Jungs tobten am Strand umher und schwammen.
Weiter in den Park hinein, etwas versteckter, wieder verliebte Pärchen und ein paar Fischer am Meer.

Blick vom Kiesstrand im Park auf Izmir

Aber vor Allem hat man hier RUHE…. kein Autos mehr, kein gehupe…

Wir machen auf dem Rückweg halt im Marine Restaurant.

Im Restaurant, versuche ich, meine ersten Türkischkenntnisse zu benutzen und winke den Kellner herbei. Ich möchte ein Mineralwasser bestellen und sage ihm: „Bir Soda“. Er schaut mich verwundert an und ich wiederhole meine Bestellung erneut. Anschließend brachte er mir ein Bier und ein Wasser. Erdal gefällt es, dass er nun ein weiteres Bier trinken kann.

Ja, an der türkische Aussprache hapert´s offensichtlich noch 😉

Die Hochschwangere Nichte Der Eigentümerin

Heute beim Frühstück klingelte es. Die hochschwangere Nichte der Eigentümerin, die schauen wollte, was ich an der Wohnung zu beanstanden habe.

Es gibt hier eine Menge Möbel in der Wohnung, die nach Reparatur oder Müll schreien.
Stühle sind zwar – mehr als genug – in der Wohnung ca. 15 Stück. Aber glaubt mir, da möchte sich keiner mehr raufsetzen!!
Ich will nicht wissen, was alles auf den Sitzpolstern verschüttet wurde, oder wie oft sie wohl mit dreckigen Schuhen, als Leiter benutzt wurden. Davon abgesehen, dass der Stoff hier und da zerschlissen ist.
Die 2 Plastikstühle auf dem Balkon haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Heute hat man Angst sich draufzusetzen, da sie jeden Moment zusammenbrechen könnten.

Der Couchtisch wurde mit Teppichkleber gestützt und droht bei der kleinsten Belastung in sich zusammen zu klappen. Aber genug davon… dies sind nur ein paar Kleinigkeiten der Mängelliste.
Der Vormieter muß ein Penner gewesen sein. Die Hochschwangere Nichte Der Eigentümerin weiterlesen